 ##  [Hardy–Weinberg-Prinzip](/de/node/58416) 

 Definition

Ein populationsgenetisches Prinzip, das besagt, dass Allel- und Genotypfrequenzen von Generation zu Generation in einer idealisierten zufällig paarenden Population konstant bleiben, sofern keine evolutionären Kräfte (Selektion, Mutation, Migration, Drift) und kein nicht-zufälliges Paarungsverhalten vorliegen.

 

 

 

 

 

 





## Prinzip

Prinzip

Das Prinzip definiert ein Nullmodell: Treffen die Annahmen (große Population, zufällige Paarung, keine Selektion, Mutation, Migration und keine überlappenden Effekte wie meiotischer Drive) zu, dann folgen die Genotypfrequenzen p^2 + 2pq + q^2 und die Allelfrequenzen ändern sich nicht.

 

 

 

 

 





## Demonstration

Demonstration

Illustratives Szenario: Für ein bi-allelisches autosomales Locus mit Allelfrequenz p = 0,7 und q = 0,3 sind die erwarteten Genotypfrequenzen gemäß Hardy–Weinberg p^2 = 0,49, 2pq = 0,42, q^2 = 0,09. Deutliche Abweichungen in einer gut beprobten Population deuten darauf hin, dass eine oder mehrere Annahmen verletzt sind.

 

 

 

 

## Fehlanwendung

Fehlanwendung

Das Gleichgewichtserwartung auf kleine, subdividierte oder stark selektierte Populationen anzuwenden, oder es gedankenlos für Loci mit Kopplung zu ausgewählten Stellen oder nicht-mendelscher Vererbung zu nutzen, führt zu falschen Schlussfolgerungen über Neutralität oder Populationsstruktur.

 

 

 

 

 





## Konsequenz

Konsequenz

Das Prinzip bietet eine Grundlage zum Nachweis evolutionärer Prozesse: Signifikante Abweichungen weisen auf Kräfte wie Selektion, Inzucht, Migration, Mutation oder Drift hin, und es bildet die Basis für Methoden zur Schätzung von Trägerfrequenzen und Tests der Populationsstruktur.

 

 

 

 

## Umkehrung

Umkehrung

Das Gegenteil ist das Vorhandensein evolutionärer Kräfte: Wenn sich Allelfrequenzen über Generationen ändern, befindet sich die Population nicht im Hardy–Weinberg-Gleichgewicht, und das spezifische Muster der Veränderung hilft, die wirkenden Kräfte zu identifizieren.

 

 

 

 

 





## Abgrenzung

Abgrenzung

Gilt für mendelsche autosomale Loci in diploiden, sexuell reproduzierenden Populationen unter den angegebenen Annahmen; es gilt nicht unmittelbar für haploide Organismen, zytoplasmatische Vererbung, Loci mit multiplen interagierenden Allelen unter Dominanz/Epistase ohne Anpassung, noch für gekoppelte Loci ohne Berücksichtigung der Kopplungsungleichgewichte.

 

 

 

 

 





## Semantische Spannung

Semantische Spannung

Spannung besteht zwischen Hardy–Weinberg als exakt mathematischem Gleichgewicht und seiner Verwendung als empirisches Nullmodell: Reale Populationen erfüllen selten alle Annahmen, sodass ein nahegelegenes Gleichgewicht beobachtbar sein kann, obwohl gegensätzliche Kräfte oder Stichprobenfehler wirken.

 

 

 

 

 





## Synthese

Synthese

Hardy–Weinberg ist ein Nullmodellgleichgewicht, das Allelfrequenzen mit erwarteten Genotypproportionen unter expliziten Annahmen verknüpft; Abweichungen von seinen Vorhersagen sind diagnostische Signale dafür, dass evolutionäre oder nicht-zufällige Paarungsprozesse wirken.