 ##  [Interkristalline Korrosion](/de/node/58717) 

 Definition

Bevorzugte chemische oder elektrochemische Angriffsform, die sich entlang der Korngrenzen eines polykristallinen Werkstoffs ausbreitet, weil diese Grenzen sich in Zusammensetzung oder Mikrostruktur von den Korninnenbereichen unterscheiden.

 

 

 

 

 

 





## Prinzip

Prinzip

Korngrenzen können Orte für Ausscheidungen, Elementsegretion, Phasenverarmung oder veränderte elektrochemische Potenziale sein und damit kontinuierliche oder diskontinuierliche, anodische (reaktivere) Pfade gegenüber dem Korninneren bilden, die die Korrosion entlang der Grenzen konzentrieren.

 

 

 

 

 





## Demonstration

Demonstration

Illustratives Szenario: ein austenitischer Edelstahl, der in einen Sensibilisierungsbereich erwärmt wurde, bildet Chromkarbide an den Korngrenzen, wodurch Chrom lokal verarmt und Angriffe in aggressiven Lösungen ermöglicht werden. Beobachtbares Ergebnis: Korndurchzug entlang des Grenznetzwerks und Verlust der intergranularen Kohäsion. Unsicherheit: die genaue Grenzchemie und das erforderliche Umfeld variieren mit Legierung und thermischer Vorgeschichte.

 

 

 

 

## Fehlanwendung

Fehlanwendung

Jede nicht gleichmäßige Korrosion als interkristallin bezeichnen, obwohl tatsächlich transkristalline Lochkorrosion oder allgemeiner Oberflächenangriff vorliegt; ein randläufiges Aussehen mechanischem Bruch zuschreiben ohne chemische Belege.

 

 

 

 

 





## Konsequenz

Konsequenz

Verlust der Korn-zu-Korn-Kohäsion, rasche durchgehende Durchdringung oder Netzkorrosion, die die Tragfähigkeit untergräbt, selbst bei geringem durchschnittlichem Materialverlust; Prüfstrategien müssen Korngrenzendurchgang statt Mittelkorrosionsrate verfolgen.

 

 

 

 

## Umkehrung

Umkehrung

Transkristalline Korrosion, bei der der Angriff durch die Körner hindurch verläuft anstatt entlang der Korngrenzen, typischerweise wenn Korninnenbereiche weniger edel sind oder Ausscheidungen gleichmäßig verteilt sind.

 

 

 

 

 





## Abgrenzung

Abgrenzung

Gilt für polykristalline Festkörper mit ausgeprägten Korngrenzen (Metalle, manche Keramiken); beschreibt nicht die Korrosion amorpher Materialien, Beschichtungen die Grenzen verdecken, oder rein mechanische interkristalline Rissbildung ohne chemischen Angriff.

 

 

 

 

 





## Semantische Spannung

Semantische Spannung

Wird oft mit 'Korngrenzenkorrosion' oder mit interkristallinem Bruch verwechselt; die Spannung besteht zwischen einem chemisch/elektrochemischen Mechanismus (dieser Begriff) und einer mechanischen Trennung der Grenzen (Bruch).

 

 

 

 

 





## Synthese

Synthese

Interkristalline Korrosion ist ein chemisch getriebener, auf Korngrenzen fokussierter Schädigungsmodus: wenn mikrostrukturelle Merkmale an Korngrenzen ein lokales elektrochemisches Vorteil für die Auflösung schaffen, folgt die Korrosion bevorzugt dem Grenznetzwerk und kann trotz geringer Gesamtmaterialverluste schnell die Strukturintegrität beeinträchtigen.