 ##  [Mohr-Coulomb-Versagenskriterium](/de/node/59057) 

 Definition

Ein linearer Scherversagenskriterium für kohäsiv-reibende Materialien, das besagt, dass die Schubspannung auf einer potentiellen Versagensfläche τ_f gleich der Kohäsion c plus dem Produkt aus der Normalspannung (häufig effektive Normalspannung σ') und dem Tangens des inneren Reibungswinkels φ ist: τ_f = c + σ' tan φ.

 

 

 

 

 

 





## Prinzip

Prinzip

Die Scherfestigkeit vieler Böden und gebrochener Gesteine lässt sich näherungsweise durch eine lineare Beziehung zwischen Scher- und Normalspannung am Versagenszustand darstellen; Kohäsion und Reibungswinkel fassen Kornhaftung und reibungsbedingten Widerstand zusammen.

 

 

 

 

 





## Demonstration

Demonstration

Bei einem triaxialen Druckversuch an einer konsolidiert-drainierten Bodenprobe liegen gemessene Kombinationen von Deviator- und Konfektionsspannung im Versagenszustand annähernd auf einer Geraden im τ–σ'-Diagramm; daraus werden c und φ bestimmt und für Hangstabilität oder Tragfähigkeitsberechnungen verwendet.

 

 

 

 

## Fehlanwendung

Fehlanwendung

Unkritische Anwendung des Kriteriums auf Materialien mit stark nichtlinearem Festigkeitsverhalten (dicht gebrochene Gesteine, stark überkonsolidierte Tone mit Dehnungsweichstellung, geschwindigkeits- oder temperaturabhängiges Versagen) oder das Vernachlässigen von Porenwasserdruck- und Anisotropieeffekten.

 

 

 

 

 





## Konsequenz

Konsequenz

Wenn anwendbar, liefert das Mohr–Coulomb-Kriterium einfache, interpretierbare Parameter für Stabilitätsberechnungen, die Auslegung von Fundamenten und Stützkonstruktionen sowie die vorläufige Gefährdungsbeurteilung von Böschungen und Dämmen.

 

 

 

 

## Umkehrung

Umkehrung

Für Materialien oder Bedingungen mit glatten, nichtlinearen Fließflächen (z. B. duktil-metallische Werkstoffe, manche intakten Gesteine) sind alternative Kriterien (Drucker–Prager, Hoek–Brown, von Mises) besser geeignet, das Versagensverhalten abzubilden.

 

 

 

 

 





## Abgrenzung

Abgrenzung

Geeignet für brüchig bis brüchig-duktiles kohäsiv-reibendes Geomaterial unter quasistatischer Belastung, wenn Versagen als Scherung auf einer Ebene idealisiert werden kann; schließt rein druckabhängigen duktilen Fluss, großverformendes Nachgeben ohne Regularisierung und zeitabhängige Prozesse aus.

 

 

 

 

 





## Semantische Spannung

Semantische Spannung

Im Spannungsfeld mit Kontinuums-Fließkriterien (von Mises) und komplexeren Felsversagensgesetzen; Mohr–Coulomb ist in der geotechnischen Praxis einfach und weit verbreitet, kann aber Materialien mit skalenabhängigen Bruchnetzen oder signifikanter Kohäsionsanisotropie falsch darstellen.

 

 

 

 

 





## Synthese

Synthese

Das Mohr–Coulomb-Kriterium ist eine pragmatische lineare Versagensbedingung, parametrisiert durch Kohäsion und Reibungswinkel, die das Scherfestigkeitsverhalten vieler Böden und gebrochener Gesteine für statische Stabilitätsanalysen ersten Ranges erfasst, jedoch Vorsicht bei Nichtlinearität, Porendruck, Anisotropie oder Zeitabhängigkeit erfordert.