Definition
Ein Versagensmodus, bei dem vor der Trennung umfangreiche plastische Verformung stattfindet; mikroskopisch durch Keimbildung, Wachstum und Verschmelzung von Hohlräumen gekennzeichnet, makroskopisch durch Einschnürung und abgerundeten Rissverlauf.
Prinzip
Prinzip
Rissinitiierung und -wachstum gesteuert durch plastischen Fluss: lokale Spannungsspitzen (Einschlüsse, Zweitphasen, Korngrenzen) führen unter triaxialer Spannung zur Keimbildung von Hohlräumen; fortgesetzte plastische Verformung vergrößert und verbindet diese Hohlräume bis zum Bruch des Ligaments. Energie wird durch plastische Arbeit absorbiert; das Verhalten hängt stark von Dehnrate, Temperatur und Spannungs‑triaxialität ab.
Demonstration
Demonstration
Ein Zugversuch an Baustahl zeigt gleichmäßige Dehnung, Einsetzen einer Einschnürung, eine Becher‑und‑Kegel‑Bruchfläche mit ‚Dimplen‘ (Mikrohohlräumen) und beträchtliche Gesamtdehnung vor der endgültigen Trennung.
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Jeden Bruch mit etwas plastischer Verformung als duktil zu bezeichnen, obwohl das dominierende Mechanismus sprödes Klivage oder interkristalliner Bruch ist; Duktilität allein mit Zähigkeit zu verwechseln ohne Mikrostruktur- oder Spannungszustandsanalyse.
Konsequenz
Konsequenz
Makroskopische Vorzeichen (Einschnürung, Ausbeulung) und hohe Energieaufnahme vor dem Versagen; Möglichkeit lokaler Lastumlagerung vor dem endgültigen Bruch; in der Auslegung erlauben duktil verhaltende Bauteile größere Überlasttoleranz, erfordern aber Umgang mit bleibender Verformung.
Umkehrung
Umkehrung
Spröder Bruch: geringe makroskopische Plastizität, schnelle Rissausbreitung, Klivage oder interkristalline Trennung, geringe Einschnürung und niedrige Energieaufnahme.
Abgrenzung
Abgrenzung
Gilt vorwiegend dort, wo plastischer Fluss der Rissausbreitung vorausgeht (Metalle, je nach Bedingung manche Polymere). Schließt klivage‑dominierte Brüche, umweltinduziertes interkristallines Versagen oder rein ermüdungsbedingte Brüche ohne Hohlraumkoaleszenz aus. Stark abhängig von Dehnrate und Temperatur: bei tiefen Temperaturen oder hohen Dehnraten kann ein angeblich duktiles Material sprödes Verhalten zeigen.
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Duktilität versus Zähigkeit: Duktilität beschreibt große plastische Verformungen vor Bruch, Zähigkeit misst die absorbierte Energie; ein Material kann duktil, aber nicht unbedingt zäh in einer gegebenen Belastungssituation sein. Außerdem Spannung zwischen beschreibender und mechanismischer Verwendung des Begriffs.
Synthese
Synthese
Duktiler Bruch bezeichnet Versagensfälle, bei denen plastische Verformung und Mikrohohlraumentwicklung die Rissinitiierung und langsame Rissausbreitung bestimmen und typische makroskopische Merkmale (Einschnürung, Dimple‑Strukturen) sowie hohe Energieaufnahme zeigen; sein Auftreten ist jedoch von Spannungszustand, Geschwindigkeit und Temperatur abhängig und unterscheidet sich deutlich von spröden Mechanismen.