Definition
Bevorzugte chemische oder elektrochemische Angriffsform, die sich entlang der Korngrenzen eines polykristallinen Werkstoffs ausbreitet, weil diese Grenzen sich in Zusammensetzung oder Mikrostruktur von den Korninnenbereichen unterscheiden.
Prinzip
Prinzip
Korngrenzen können Orte für Ausscheidungen, Elementsegretion, Phasenverarmung oder veränderte elektrochemische Potenziale sein und damit kontinuierliche oder diskontinuierliche, anodische (reaktivere) Pfade gegenüber dem Korninneren bilden, die die Korrosion entlang der Grenzen konzentrieren.
Demonstration
Demonstration
Illustratives Szenario: ein austenitischer Edelstahl, der in einen Sensibilisierungsbereich erwärmt wurde, bildet Chromkarbide an den Korngrenzen, wodurch Chrom lokal verarmt und Angriffe in aggressiven Lösungen ermöglicht werden. Beobachtbares Ergebnis: Korndurchzug entlang des Grenznetzwerks und Verlust der intergranularen Kohäsion. Unsicherheit: die genaue Grenzchemie und das erforderliche Umfeld variieren mit Legierung und thermischer Vorgeschichte.
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Jede nicht gleichmäßige Korrosion als interkristallin bezeichnen, obwohl tatsächlich transkristalline Lochkorrosion oder allgemeiner Oberflächenangriff vorliegt; ein randläufiges Aussehen mechanischem Bruch zuschreiben ohne chemische Belege.
Konsequenz
Konsequenz
Verlust der Korn-zu-Korn-Kohäsion, rasche durchgehende Durchdringung oder Netzkorrosion, die die Tragfähigkeit untergräbt, selbst bei geringem durchschnittlichem Materialverlust; Prüfstrategien müssen Korngrenzendurchgang statt Mittelkorrosionsrate verfolgen.
Umkehrung
Umkehrung
Transkristalline Korrosion, bei der der Angriff durch die Körner hindurch verläuft anstatt entlang der Korngrenzen, typischerweise wenn Korninnenbereiche weniger edel sind oder Ausscheidungen gleichmäßig verteilt sind.
Abgrenzung
Abgrenzung
Gilt für polykristalline Festkörper mit ausgeprägten Korngrenzen (Metalle, manche Keramiken); beschreibt nicht die Korrosion amorpher Materialien, Beschichtungen die Grenzen verdecken, oder rein mechanische interkristalline Rissbildung ohne chemischen Angriff.
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Wird oft mit 'Korngrenzenkorrosion' oder mit interkristallinem Bruch verwechselt; die Spannung besteht zwischen einem chemisch/elektrochemischen Mechanismus (dieser Begriff) und einer mechanischen Trennung der Grenzen (Bruch).
Synthese
Synthese
Interkristalline Korrosion ist ein chemisch getriebener, auf Korngrenzen fokussierter Schädigungsmodus: wenn mikrostrukturelle Merkmale an Korngrenzen ein lokales elektrochemisches Vorteil für die Auflösung schaffen, folgt die Korrosion bevorzugt dem Grenznetzwerk und kann trotz geringer Gesamtmaterialverluste schnell die Strukturintegrität beeinträchtigen.