Definition
Landschaft, die sich auf löslichem Untergrund (häufig Karbonatgesteine wie Kalkstein oder Dolomit oder Evaporite) entwickelt hat, geprägt von Lösungsprozessen und charakterisiert durch Dolinen, Höhlen, unterirdische Entwässerung und gestörte Oberflächenentwässerung.
Prinzip
Prinzip
Karst entsteht dort, wo chemisch aggressives Wasser (z. B. durch CO2 versäuert) durch Klüfte und Poren des löslichen Gesteins zirkuliert und durch Auflösung Hohlräume und Leitungen erweitert; die Kopplung von Gesteinschemie, struktureller Durchlässigkeit und Grundwasserströmung formt charakteristische unterirdische und oberflächennahe Morphologien.
Demonstration
Demonstration
Ein Gebiet, in dem Oberflächenbäche in Absorptionspunkten verschwinden und an Quellen wieder auftreten, mit einem Höhlen- und Kluftröhrensystem, das den größten Teil der Zuflussmenge unterirdisch ableitet und lokal dünne Böden sowie unregelmäßiges Relief mit Dolinen und Karren erzeugt.
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Jegliches felsiges Gebiet mit Höhlen oder Senken als Karst zu bezeichnen, obwohl die Merkmale vulkanischen, tektonischen oder küstennahen Ursprungs sind (Pseudokarst), oder einheitliches Grundwasserverhalten anzunehmen, ohne Leitungen zu kartieren.
Konsequenz
Konsequenz
Die Erkennung von Karstgelände bedeutet hohe Anfälligkeit des Grundwassers für Verschmutzung, komplexe und schnelle unterirdische Fließwege, die Wasserversorgung und Gefahrenplanung erschweren, spezielle ökologische Nischen und bautechnische Einschränkungen für Bauvorhaben und Flächennutzung.
Umkehrung
Umkehrung
Das Gegenstück ist eine Landschaft auf nicht löslichem Gestein, in der Oberflächenabfluss und bodengedeckte Prozesse dominieren, mit vorhersehbarem Oberflächenabfluss und nur begrenzter Ausbildung unterirdischer Leitungen.
Abgrenzung
Abgrenzung
Gilt für Landschaften über löslichen Lithologien, die primär durch chemische Lösung und Leitungsentwicklung geformt sind; schließt Pseudokarstformen (Lavaröhren, bestimmte Meeresklippen), rein mechanische Höhlensysteme und Gesteine aus, die eher durch Diagenese als durch moderne Lösung verändert wurden.
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Spannung besteht zwischen einer strengen lithologischen/prozessbezogenen Karstdefinition (Erfordernis der Lösung löslicher Gesteine) und weiteren geomorphologischen Gebrauchsweisen, die auf Höhlen- oder Dolinenvorkommen unabhängig von deren Entstehung abzielen, wodurch Pseudokarst die Klassifikation erschwert.
Synthese
Synthese
Karstgelände ist eine lösungsdominierte Landschaft auf löslichem Untergrund, in der gekoppelte hydrochemische und strukturelle Einflüsse unterirdische Leitungen und gestörte Oberflächenentwässerung erzeugen; Karstidentifikation erfordert Nachweis lösungsbedingter Entstehung und leitungsgesprägter Hydrologie.