Definition
Sind ν und μ σ‑endliche Maße auf demselben Messraum und ν absolutstetig gegenüber μ, so ist die Radon‑Nikodym‑Ableitung eine messbare Funktion f mit ν(A)=∫_A f dμ für alle messbaren A; f ist μ‑fast überall eindeutig und wird dν/dμ genannt.
Prinzip
Prinzip
Eine absolutstetige Maßbeziehung in eine Dichtefunktion gegenüber dem Basismaß übersetzen; Existenzvoraussetzungen sind Absolute Stetigkeit und σ‑Endlichkeit.
Demonstration
Demonstration
Ist μ das Lebesgue‑Maß auf R und ν(A)=∫_A ρ(x) dx mit ρ∈L^1, dann ist dν/dμ = ρ; in der Wahrscheinlichkeitstheorie entsprechen Dichten gegenüber Lebesgue solchen Ableitungen.
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Der Versuch, eine Radon‑Nikodym‑Ableitung anzugeben, wenn ν eine singuläre Komponente gegenüber μ besitzt (z. B. Dirac‑Masse gegenüber Lebesgue), führt zu nicht existierenden 'Dichten' und falschen Schlussfolgerungen.
Konsequenz
Konsequenz
Ermöglicht rigorose Maßänderungen, Likelihood‑Verhältnisse, bedingte Erwartungswerte mittels Dichte und Maßdesintegration; liefert das Integrand bei Beziehungen absoluter Stetigkeit.
Umkehrung
Umkehrung
Ist ν singulär gegenüber μ, liefert die Lebesgue‑Zerlegung einen singulären Anteil ohne Radon‑Nikodym‑Ableitung — das Gegenteil zeigt die Nichtexistenz einer globalen Dichte.
Abgrenzung
Abgrenzung
Voraussetzung ist ν ≪ μ und σ‑Endlichkeit von μ; die Ableitung ist nur bis auf μ‑Nullmengen bestimmt, muss nicht stetig sein und gilt nicht für rein singuläre Maße.
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Oft wird die Radon‑Nikodym‑Ableitung mit der klassischen Funktionalableitung verwechselt; erstere ist ein a.e. definierter Dichtebegriff, keine punktweise Ableitung.
Synthese
Synthese
Ein maßtheoretisches Dichtekonzept: die bis auf μ‑Nullmengen eindeutige integrierbare Funktion, die eine absolutstetige Maßbeziehung als Integral gegenüber einem Basismaß darstellt und Maßänderungen ermöglicht.